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Fatalismus

Der Fatalismus ist eine Weltanschauung, der ein Glaube an eine unausweichliche und unabänderliche Vorbestimmung zugrunde liegt. Vertreter dieser Denkrichtung behaupten, es sei dem Menschen nicht möglich, durch eigene Einflussnahme künftige Ereignisse abzuwenden. Im Grunde sei das Individuum fremdbestimmt und ohnmächtig gegenüber dem, was ihm durch einen willkürlichen Entscheidungsakt einer übergeordneten Instanz zugedacht wurde. Mit dem zentralen Konzept der Abhängigkeit von dieser Schicksalsinstanz ist der Fatalismus in seinem Kern eine stark religiös gefärbte Weltsicht.

Der Begriff des Fatalismus geht auf das lateinische Wort „fatum“ (dt.: Schicksal) zurück. Im Wort für „schicksalshaft“ (lat.: fatalis) schwingen die Bedeutungen „verhängnisvoll; tödlich“ mit. Der „Fatalist“ taucht erstmals im 17. Jahrhundert auf – hier wird das Wort zunächst abwertend verwendet; erst später verliert es seinen negativen Beiklang und wird zur wertfreien Bezeichnung von Denkern, die dem Schicksalsglauben zugeneigt sind.

Der Fatalismus in Philosophie und Literatur

In Denis Diderot's Werk „Jacques le fataliste et son maître“ bestimmt sowohl der Fatalismus als auch der Determinismus das Denken von Jacques.

In Denis Diderot’s Werk „Jacques le fataliste et son maître“ bestimmt sowohl der Fatalismus als auch der Determinismus das Denken von Jacques.

Mit der Frage, inwieweit der Mensch durch sein Handeln überhaupt imstande ist, den Lauf der Geschichte mitzubestimmen, befassen sich nicht nur die antike Mythologie und die Weltreligionen – allen voran der Islam -, sondern seit der Neuzeit in zunehmendem Maße auch die Literatur. Denis Diderot zeichnet in seinem Werk „Jacques le fataliste et son maître“ einen Charakter, dessen Handeln und Denken sowohl vom Fatalismus als auch vom Determinismus geprägt sind. Beides sind eng verwandte Weltanschauungen, die dennoch klar voneinander abzugrenzen sind.

Friedrich Nietzsche vertrat den Fatalismus der epikureisch-stoischen Tradition, der die Freiheit des Menschen nicht verunmöglicht, sondern gerade den Weg zu selbstbestimmtem Handeln ebnet. Wenn Nietzsche als Spinozist die Willensfreiheit leugnet, so muss dies im Kontext seiner gesamten Lehre gesehen werden. Der den Fatalismus bejahende Philosoph und Literat glaubt an die Pluralität der Moral und spricht vom Ideal des „souveränen Individuums“.

Kritik am Fatalismus

Kritiker dieser Weltanschauung werfen ihren Anhängern Pessimismus und Schicksalsergebenheit vor. Statt ein gesundes Maß an ethischem Verantwortungsbewusstsein auszubilden, tendierten Fatalisten dazu, in passiver Resignation zu verharren. Jedem Menschen aber seien Möglichkeiten an die Hand gegeben, seine eigenen Geschicke zu leiten und für Umwelt und Mitmenschen Sorge zu tragen – wenngleich die Existenz einer höheren Instanz denkbar ist.

Bereits in der Antike wird der Fatalismus kontrovers diskutiert. Schicksalsnotwendigkeit und Willensfreiheit beschäftigen die Gemüter der Menschen seit jeher, da die Relativierung des freien Willens die Unabhängigkeit des Menschen antastet. Anders als die Stoiker, deren durchaus reflektierter Zugang zum Fatalismus unter ihren Zeitgenossen umstritten ist, verwerfen nicht nur Aristoteliker, sondern auch die skeptischen Platoniker die fatalistische Grundhaltung. Dabei ist es ein Faktum, dass seit der Stoa trotz des Glaubens an die Vorbestimmung moralisches Handeln hier nicht an Sinnhaftigkeit verliert.