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Determinismus

Auf den ersten Blick scheinen uns die modernen Wissenschaften genau das zu vermitteln. Für die Neurowissenschaft beispielsweise sind unsere Entscheidungen nicht viel mehr als die unmittelbaren Konsequenzen aus der Informationsverarbeitung durch das Gehirn. Und auch die Genetik legt einen ähnlichen Schluss nahe, wenn sie unsere Existenz an dem Ausdruck unserer Gene glaubt festmachen zu können. Aber welche Logik steckt hinter diesen Aussagen, was ist der Determinismus?

Um diesem auf die Spur zu kommen, ist es hilfreich zuerst einen Blick auf den Fatalismus zu werfen, und diesen von jenen zu unterscheiden. Was also sagt der Fatalismus aus?

Der Fatalismus

Der Fatalismus geht davon aus, dass unser Schicksal und das des Universums von einer Gottheit oder einem persönlichen bzw. unpersönlichen Wesen gelenkt wird und zwar so, dass alles und jeder einer vorbestimmten Ordnung in seiner Existenz zu folgen hat. Die großen Religionen leiten im Allgemeinen ihre Glaubensätze von dieser Grundaussage ab.

Der Determinismus

Der Determinismus wiederum kann in Erweiterung dieser Anschauung als säkularisierte Form des Fatalismus bezeichnet werden. Dem Determinismus zufolge ist alles, das im Universum existiert, ebenso festen Regeln unterworfen. Nur wird das Schicksal des Universums und damit auch unser Schicksal, nicht von einer göttlichen Vorsehung geleitet und vorherbestimmt, sondern von den Naturkräften, die sich dank unserer Fähigkeit zur Erkenntnis als unumstößliche Regelmäßigkeiten in den Naturphänomenen erweisen.

Diese Vorbestimmtheit, die beiden Anschauungen eigen ist, hat unter den größten Denkern zu radikalen Haltungen geführt. Nietzsche, der vielleicht prominenteste Denker im deutschsprachigen Raum, konnte daraus nur eine einzige Schlussfolgerung ziehen: Wenn der Mensch ein durch und durch determiniertes Wesen ist, so muss er dieses Prinzip bejahen und verinnerlichen, erst dann wird er in der Lage sein, dem „Willen zur Macht“ folgend das Höchste aus sich hervorzubringen: Den „Übermenschen“.

 

Determinismus vs. freier Wille

Die Überlegung, ob wir dank des Determinismus zu einem höheren Sinn für unser Leben gelangen, tritt dennoch als mögliche Konsequenz hinter der alles entscheidenden Frage zurück: Ist ein freier Wille innerhalb einer deterministischen Weltanschauung möglich?
Die Antworten darauf sind so vielfältig wie widersprüchlich. Als gemeinschaftliche Wesen müssen wir doch davon ausgehen, dass wir einen freien Willen haben, Verantwortung ohne Freiheit ist schließlich für uns nicht denkbar. Genau dieses Dilemma stellt für den modernen Determinismus eine scheinbar unüberwindbare Hürde dar. In seiner radikalsten Form verneint er kategorisch jegliche Existenz eines freien Willens. In seiner milderen Auslegung schränkt er seinen eigenen Geltungsbereich ein auf die Wirklichkeit natürlicher Systeme; der aktuelle Zustand in einem solchen System ist entsprechend aus kausal bestimmten Vorbedingungen erklär- und prognostizierbar. Über geistige Phänomene wird keine Aussage getroffen.

Ein Mittelweg wird schließlich mit der Annahme beschritten, dass freie Entscheidungen nur innerhalb einer deterministischen Weltanschauung möglich sind. Die Fähigkeit des Menschen aus verschiedenen Möglichkeiten eine bestimmte auszuwählen, kann nur sinnvoll eingesetzt werden, wenn wir die Konsequenzen unserer Entscheidungen einschätzen können. Das heißt nichts anderes, als dass der freie Wille sich immer schon des kausalen Determinismus bedient, ohne diesen ließe sich nämlich folgende Frage nicht beantworten: Wofür soll ich mich entscheiden?

Bei alledem sollte nicht vergessen werden, dass der Determinismus vorrangig etwas darüber aussagt, wie sich das Seiende zu erkennen gibt, nicht aber was das Seiende tatsächlich ist. Was wir also als Menschen unserem Wesen nach sind, bleibt auch durch den Determinismus unbeantwortet.